Mutproben, an der Schwelle skrevet av Sven-Inge Johansen, 2004
Es ist Montagmorgen, der 29.September 2003. Der Schulhof glich an diesem Morgen, wie schon im Jahr zuvor einem Turnierplatz. Hier ein loderndes Feuerbecken, ein Balancierseil, ein Sprungturm, dort ein Wasserbecken mit schmalem Holzbrett zur Überquerung, schwere Sandsäcke, die dicht hintereinander von der Pergola herabbaumeln, die haushohe Kletterwand und am höchsten Baum ein langes Schwingseil. Noch ist es still auf dem Schulhof. Die Kinder der Unterstufe feiern ihre Michaelsfeier und lauschen der Legende. Aber sie wissen auch: Michaelitag ist unser Mutprobentag.
Sieben Aufgaben gilt es zu bewältigen, die Mut, Geschicklichkeit, Ausdauer und Vertrauen gleichermaßen erfordern um schließlich die sieben farbigen Bänder zu erringen, die dann stolz als Mut - Zeugnis am Handgelenk getragen werden von vielen oft noch eine Woche lang danach.ie Feier ist zu Ende. Erfüllt von den Bildern, die die Legende vom Erzengel Michael in den Seelen der Kinder hinterlassen hat, betreten sie den Schulhof. Nicht laut schnatternd auseinander tobend, sondern in Aufregung verharrend, mit der Frage ins Gesicht geschrieben: Woran wage ich mich zuerst?
Die ganz mutigen, älteren Kinder sind sich einig: der freie Fall ist die härteste Prüfung! Von einer kleinen Pattform in 2 m Höhe, die über eine Leiter zu erreichen ist, muss sich das Kind rückwärts und wenn möglich mit geschlossenen Augen fallen lassen fallen in eine aufgespannte Wolldecke, die von 4 Erwachsenen gehalten wird. Was für eine unglaubliche Mutprobe, was für ein großes Vertrauen, dass die Kinder im Moment des Sich Fallen - Lassens den Menschen schenken, die es hoffentlich halten werden!
Die Feuerprobe - der Sprung über das Feuerbecken, richtig gefährlich! Beeindruckend, welch starkes Erleben leckende Flammen bei Kindern hinterlassen und erstaunlich, wie kopfig trocken wir Erwachsene dieselben erleben. Dann die Überquerung des Wasserbeckens auf einer dünnen Holzlatte. Die andere Seite zu erreichen ohne nass zu werden ist die Aufgabe. Ähnlich die verschiedenen Luftproben: das Seilschwingen über eine großer Distanz von einem Pflock zum anderen. Das Balancieren auf einem 4 Meter langen Stahlseil. Das sich flink Hindurchtanzen zwischen hin- und herschwenkenden Sandsäcken ohne getroffen zu werden und das Ersteigen der haushohen Kletterwand, nur am Seil gesichert von Kletterspezialisten der 11.Klasse. Die Kinder waren ergriffen von den Aufgabenstellungen. Davon sprachen die vor Begeisterung leuchtenden Kinderaugen und die vor Freude und Anstrengung geröteten Wangen. Davon zeugte das geduldige Warten in der Schlange bis man endlich an der Reihe war. Das bewies die Ausdauer und gleichzeitig das brennende Verlangen alle 7 Mutproben zu bewältigen, waren sie auch noch so schwer und oftmals erst nach mehrmaligen Versuchen zu schaffen. Übrigens sollte sich jeder Erwachsene, der den Kindern bei den Aufgaben Hilfestellung gibt, vorab selbst den Mutproben stellen. Erst dann kann er erahnen, welch tiefe Regungen und Eindrücke diese in der Seele der Kinder hinterlassen.
Warum so eine aus den Bewußtseinstiefen heraufquellende Begeisterung?
Weil die Kinder ein mächtiges Bild hinter den verschiedenen Mutproben wahrnahmen. Ein gefühltes Bild, das von den wesentlichsten Aspekten des Lebens spricht, ein Bild, das das Wichtige in sich konzentriert. Das spürten und erahnten die Kinder, stiegen sofort darauf ein und nahmen eifrig Teil daran. Sie wollten sich messen, nicht mit einem Zentimetermass, sondern mit einem Herzens Maßstab! Nach bestandener Prüfung zufrieden lächelnd unterwegs zur nächsten Aufgabe. Misslang eine Prüfung, was auch vorkam, so wurde der oder die Unglückliche sogleich von den Mitschülern aufgenommen und zu einem weiteren Versuch ermutigt, nie verurteilt oder dem Versagen ausgesetzt. Hier ging es nicht um Wettbewerb. Hier ging es um den einzelnen, jeder stellte sich seiner Mutprobe mit vollem Einsatz und mancher schien sich dabei selbst zu übertreffen. Die Begeisterung war ungewöhnlich, so stark, dass man meinen konnte, die Kinder nehmen die Heiligkeit in den Aufgaben wahr. Über die Heiligkeit solchen Prüfungen schreibt Edouard Schuré in seinem Buch Die großen Eingeweihten (Zitat): Viele Unvorsichtige sind nicht lebendig wieder herausgetreten. Es ist ein Abgrund, der nur die Kühnen dem Licht des Tages wiedergibt. So überlege denn wohl, was du tun wirst, die Gefahren, die du laufen wirst; und wenn dein Mut nicht jeder Prüfung gewachsen ist, so entsage dem Unternehmen.
Warum erlebten die Kinder ein urständiges Bild dahinter?
Weil diese Mutproben eine Auseinendersetzung mit den Urelementen des irdischen Daseins waren. Themenstellungen, worin sich der Mensch im Laufe der Zeit immer als solcher erkannt hat, aber auch noch immer wieder finden muss. Themen, die Orientierungspunkte der Menschen waren, die die Tempelwissenschaften vertieften. Diese Begriffe waren Kontrast schaffend; hier das erkenntnisvolle Schauen in die geistige Welt, dort tragende Säulen der Anschauungswissenschaften. Es waren Urbausteine, denen der nach Erkenntnis suchende Mensch zuerst begegnete. Sie waren nicht nur zentral tragende Begriffe der Philosophiegeschichte, sondern waren vor allem wirksam eingesetzt in den verschiedenen Mysterien, deren Tätigkeit in den Tempeln ausgeübt wurde. Die Begabten näherten sich diesen, Schritt für Schritt durch Prüfungen in den Tempeln. Die noch weniger Begabten konnten, damals wie heute, nacheifern, nachahmen, den Vorangehenden nachschreiten.
Denn schon wussten und lehrten diese altersgrauen Priesterschaften, dass in der großen Evolution die menschliche Natur aus der tierischen empor taucht. In dieser Zusammenstellung des Stieres, des Löwen, des Adlers und des Menschen sind auch die vier Tiere der Vision des Ezekiel? enthalten als Sinnbild der vier Elemente, die den Mikrokosmos und den Makrokosmos begründen: das Wasser, die Erde, die Luft und das Feuer, diese Grundlage der okkulten Wissenschaften (Zitat aus das Buch Die großen Eingeweihten von Edouard Schuré).
So war auf unserem Schulhof eine Situation geschaffen, in welcher sich die Schüler als wieder erkennende Menschen in den Prüfungen begegnen konnten. Ein Wiedersehen hat stattgefunden. In unserer reichhaltigen und uralten Menschheitsgeschichte sind Themen enthalten, die mit Gewissheit Themen sind, die wir wieder erkennen müssen, weil sie uns immer wieder in der einen oder anderen Gestalt oder Verkleidung entgegen treten. Das Element Erde gehört dazu. Das Element Luft. Das Element Wasser wie das Element Feuer.
Jedes Kind erfindet Spiele, die mit Wasser, Erde, Luft und Feuer verbunden sind. Die Sprünge von der Mauer, von einem Stein zum anderen, das Schaukeln, das Rutschen oder das Bauen im Sandkasten sind nichts anderes als das. Und die Anziehungskraft des Feuers ist für jedes Kind fast unwiderstehlich.
Dieses Spielen ist elementar in der Entwicklung des Kindes und sollte ihm nicht versagt bleiben, auch nicht, wenn die Spiele mit fortschreitendem Alter gefährlicher und risikoreicher werden. So sollten auch Mutproben je nach Alter verändert werden. Es ist von großer Bedeutung, dass unsere Kinder durch solche Proben weiterkommen, jedes Mal ein Schrittchen weiter, als das was sie schon können. Eine von den Kindern lang ersehnte Schulung des Willens findet statt ohne verbunden sein zu müssen mit Pflicht, Zwang oder äußerer Bewertung. Bei Dostojewskij hat sich ein 12-jähriger auf die Schienen unter eine fahrende Dampflokomotive gelegt um den Freunden und sich selbst - seinen Mut zu bezeugen. Heute suchen viele die Begegnung mit der durch die Technik erzeugte Kraft, der mächtige Gewalt der Natur oder mit Gefühls- und Bewegungskräfte der eigenen Körper um durch die Berührung mit diesen, Freiheit zu erleben. Für sie ist die Stosskraft eine äusseren Energie die Möglichkeit Freiheit zu fühlen. Das was sie im Unbewussten suchen die Grenzerfahrungen, die der Mensch an und für sich eingrenzt und dadurch erlebbar und sichtbar macht, findet sie aber nicht. Ihm so einzufangen, dazu ist der Mensch doch zu grossartig und umfassend. Mut kann eben auch zur Torheit werden, wenn es am falschen Ort zur falschen Zeit ausgeübt wird.
Warum war Mut als solcher gefragt im Vorhof zum Tempeleingang?
Unsere Aufgabestellungen hatten die Urbilder der Elemente in sich, und deswegen sprangen die Kinder allen darauf an. Mutproben als solche haben die Menschheit sehr lange begleitet, besonders in den Vorhöfen der Tempel. Kinder, die sich von Mutproben angezogen fühlen, wissen genau in den Tiefen ihrer Herzen von Einweihungswegen. Es war zu erkennen, dass zwischen den Kindern und diesen elementaren Prüfungen etwas Magisches ins Spiel kam. Aber nicht nur aus den Mutproben spricht so eine Sprache. Auch die Sternen- und Indigokinder sprechen diese Magie aus. So waren doch sehr viele Menschen auf unserem Schulhof erwartend zu Besuch, die mit Tempeln herzlich verbunden sind. Es ist eindeutig.
Was schauen unsere Kinder vor ihrer Geburt?
Sie sehen, wie schwer es den Menschen fällt, sich von der allgemeine Angst zu befreien. Sie sehen, wie das Leben von dieser Angst geformt und geschnürt wird. Sie sehen, wie die gewichtige Last der Angst, die Menschen beugt und viele zwingt im Strom der Allgemeinheit mit zu schwimmen, statt sich selbst zu finden und eigenständig zu der Gesellschaftsentwicklung beizutragen.
Ja, die ungeborenen Kinder sehen tief in die Seelen der Menschen und schauen die Stelle der fehlenden Quelle geistiger Kräfte. Die Stelle, wo die Quelle gewesen sein könnte, aber nicht mehr da ist. Deswegen ist das Leben so schwer, so schleppend. Deshalb die Gesichter so grau, so bleich die Haut, so gebückt der Rücken und so spröde die Knochen. Die Ungeborenen erkennen, dass die eigentlich tragende Substanz des Menschen entweicht. Stattdessen ragt der kalte Kopf hervor, ganz stark und einseitig, so dass man von den Menschen als Kopffüßler reden muss. Und die Kälte des Kopfes schleicht in die Herzen hinein und unterkühlt letztendlich die ganze Umgebung der Menschen.
Ein Mädchen kenne ich, sie ist 13 Jahre alt und ein übervorsichtiges Mädchen. Deswegen gerät sie immer ins Abseits, in eine hoffnungslose Warteschlaufe. Niemand zeigt Interesse für Sie. Hätte sie in ihrer Vergangenheit regelmäßig Sprünge machen müssen, die alle ein kleines bisschen weiter waren als das was sie gut schaffen konnte, wäre sie heute nicht in so eine dämliche Versagenheit geraten. Sie hätte ihre notwendigen inneren Sprünge machen können und wäre dadurch über ihren Abgrund gekommen. Sie wird aber heute, da sie diese Kraft nicht entwickeln konnte, ständig von der Gestalt des Totes belauert.
Das größte Glück eines Menschen ist sein eigenes Schicksal zu finden. Und an entscheidenden Schicksalspunkten findet jeder die zu tun notwendigen Prüfungen, unterstützt und bestätigt von begleitenden Kräften der geistigen Welt. Aber je deutlicher und vertiefender sich der Mensch auf diesen Weg begibt, desto mehr werden von allen Seiten Rufe laut, dass dies oder jenes doch viel besser, sinnvoller, praktischer sei. Die Kräfte der Irrlichter treten gesetzmäßig in Aktion, wenn jemand an wichtigen inneren Stellen unterwegs ist. So muss man sich doch von Beginn seines Arbeitslebens an um seine Rente kümmern. Man muss sich ein Haus bauen, Auto, Versicherung und Eigentumswohnung haben, Zigaretten rauchen, Modekleidung tragen, Mitglied diese oder jenes Partei oder Gesellschaft werden. Wie schwer es doch ist, sich von allem Unnutz, dem selbst geschaffenen und fremden, zu befreien.
Unsere Gesellschaft, mit den vielen mit schwimmenden und klammernden Seelen, fordert vom einzelnen große eigenständige Willenskräfte, um sich abzugrenzen, zu wehren und sich sogar von manchem zu trennen. Wie schwer es ist, nach dieser Befreiung eine Eigenständigkeit zu finden, wissen nur diejenigen, die den Schritt gewagt haben. Erst danach ist es möglich einen eigenen Weg zu betreten und weiter zu entwickeln. Der Mensch ist blind geboren und muss sich vorfühlen, im Dunkeln herumtappen, eins auf dem Kopf kriegen oder Krisen überleben um neue innere Schritte zu machen. Derjenige, der sich diesen Mutproben seines Lebens nicht stellen will, ist schon in der Vorstellung kalt und steif geworden, egal ob er Industrieboss, leitender Beamter, Jetsetmensch, Lehrer, Hausfrau oder sonst was ist. In diesem Bereich werden wir alle mit dem gleichen Gegengewicht gewogen. Menschen, die einen Erkenntnisweg bestreiten, sind diejenigen die uns vorangehen können; wegweisend, wie Leuchttürme in der Nacht. Sie haben die Stufen der ersten Mutproben hinter sich gelassen, wenn sie ein sicheres Gefühl dafür bekommen haben, was Wahrheit ist und was es bedeutet Wahrheit auszuhalten. Aber erst dann kann der wache, greifende Wille zur Gewohnheit werden. Erst dann strahlt und pulsiert wahre Lebenslebendigkeit. Dass man Kräfte einsetzten muss, um Kraft zu gewinnen, darauf weißt Elisabeth Haich in ihrem Buch "Einweihung, wie folgt hin (Zitat): Wenn du deinen Willen nur einen Augenblick nicht auf deinen Lieblingslöwen gerichtet hältst und er dich während dieses schwachen Augenblicks angreift, bist du verloren. Unsere niedrige Natur ist genau so ein Tier wie ein Löwe. Beide muss man ständig unter Kontrolle halten, dann dienen sie uns mit ihren gewaltigen Kräften. Gib immer acht!
- Bücher: Edouard Schuré Die großen Eingeweihten Otto Wilhelm Barth-Verlag 19.Auflage 1989, Elisabeth Haich Einweihung Drei Eichen Verlag 2000. Die Zeichnungen (Bleistift auf Querformat) sind von dem Künstler Peter Widmann, Ulm